Die Vulkane entlang des Pazifischen Feuerrings
Dort, wo die Kontinentalplatten aufeinandertreffen, entstehen nicht nur Berge, sondern gar Vulkane. Wo die Erdwärme an die Oberfläche dringt, prägt die Hitze die Landschaft – und doch ist es dort meistens kalt. Das ist kein Widerspruch, sondern die faszinierende Realität entlang der Pazifikküste. Der amerikanische Kontinent strotzt nur so vor Vulkanen, die uns vom Süden bis in den Norden begleiten und immer wieder ein Hindernis darstellen.
Manche sind schon lange erloschen und wachen nur noch still über die Umgebung. Andere sind hochaktiv, speien Feuer oder erwärmen das Wasser. In jedem Fall erinnern sie uns ständig daran, dass die gesamte Region auf wackligen Beinen steht – was die häufigen Erdbeben nur noch offensichtlicher machen.
Die Geologie Amerikas mag nicht das Interesse jedes Reisenden wecken, doch sie ist es, die das Reisen auf der Panamericana einzigartig macht. Auf den Spuren der Entstehung erklimmen wir eindrückliche Krater und springen zur Abkühlung – oder doch zum Aufwärmen? – in die zahlreichen Thermalbäder.
Warum es im Westen rumort
Die Antwort auf die Frage, warum es im Westen brodelt, während der Atlantik schweigt, liegt tief unter uns. Der Pazifische Feuerring entstand durch die sogenannte Subduktion: Die ozeanischen Erdplatten schieben sich unter die kontinentalen Platten Nord- und Südamerikas.
In der Tiefe schmilzt das Gestein unter enormem Druck und extremer Hitze. Da dieses Magma eine geringere Dichte als das umgebende Gestein hat, steigt es unaufhaltsam nach oben. Die gesamte Westküste ist eine tausende Kilometer lange Kontaktzone, in der der Doppelkontinent auf die gewaltigen Kräfte des Pazifiks trifft.
Es ist wie ein riesiges Förderband: Der Meeresboden wird ständig neu gebildet, die Platten schieben sich untereinander und das Magma nährt die Vulkanketten, die in jedem Land ein anderes, spektakuläres Schauspiel bieten. Obwohl nicht alle Vulkane diesen Ursprungs sind, doch vielleicht dazu mehr, wenn wir den Yellowstone in den USA besucht haben.
Ewiges Eis und bizarre Lagunen

Eines unserer Highlights ist der Cotopaxi. Mit einer stolzen Höhe von 5897 Metern ist er einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt.
Seine Form ist nahezu perfekt kegelförmig. Das Besondere: Obwohl er fast direkt am Äquator liegt, trägt er aufgrund der Höhe eine ewige Eiskappe. Die jedoch bei einem starken Ausbruch, plötzlich schmilzt und Schlammlawinen entstehen.
Besonders beeindruckend ist, dass man an seiner Flanke bis auf über 4500 Meter hinauffahren kann.

Auf der berühmten Lagunen-Route durch Bolivien prägen auch Vulkane das Bild. Besonders der Licancabur an der Grenze zu Chile lässt die Landschaft wie von einem anderen Stern wirken.

Auch die brodelnden Geysire in dieser Region zeigen deutlich, wie aktiv die Erde hier unter unseren Füssen ist. Leider sind wir diese Strecke nicht mit dem Auto gefahren, da wir Besuch hatten und es zeitlich nicht drin lag – man kann eben nicht immer alles sehen.
Begegnungen mit der aktiven Erde
In Nicaragua zeigte sich der Masaya bei unserem Besuch extrem aktiv. Leider war der Weg zum Kraterrand gesperrt, sodass wir die massiven Aschewolken nur aus der Ferne beobachten konnten.
Dafür wartete ein anderes Abenteuer: Tauchen in der Laguna de Apoyo. Dieser See liegt in einem erloschenen Vulkankrater. Ein bizarres Erlebnis, denn der Boden ist warm und fühlt sich wabbelig an wie Gelee. Der Vulkan ist zwar nicht mehr aktiv, aber die Restwärme im Untergrund ist noch deutlich spürbar.



Unser bisher absolut grösstes Highlight war jedoch der Fuego in Guatemala. Er ist ein echtes Kraftpaket und bricht derzeit etwa alle 10 bis 15 Minuten aus. Wir sind den steilen Weg auf den Zwillingsvulkan Acatenango hinaufgestiegen, um eine freie Sicht zu haben.

Was uns oben erwartete, war schlicht spektakulär: Wie ein natürliches Feuerwerk rüttelt, speit und explodiert der Berg mit lautem Knall. An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken. Und trotz der Nähe zur glühenden Lava war es auf dem Gipfel des Nachbarn eines: eiskalt!


Entspannung in den Thermalquellen der Panamericana
Wo Feuer ist, wird auch das Wasser aufgeheizt. Thermalquellen gibt es auf der ganzen Strecke, mal einfacher, mal schwieriger zugänglich. Manche findet man gratis mitten in der Wildnis, andere sind Teil eines Resorts oder stark vermarktet.

In Bolivien konnten wir uns in kleinen Thermalbecken aus Beton aufwärmen – nicht gerade umwerfend schön – , während wir die Quellen in Costa Rica aufgrund der extrem hohen Preise ausgelassen haben. Denn da, wo es anscheinend gratis wäre, muss man hohe Parkgebühren bezahlen. Das war es uns nicht wert.

In Honduras hingegen teilten wir uns die Thermen mit den Einheimischen. Die bisher spektakulärsten Quellen besuchten wir jedoch in Mexiko: Tolantango. Der Orst ist durch Instagram sehr bekannt, weshalb wir lange überlegten, ob wir dort hinwollen. Ein Einheimischer überzeugte uns schliesslich, dass es unter der Woche fast leer sei – und er hatte recht.

In Tolantango badet man in einer Höhle mit einem warmen Wasserfall, bei dem das Wasser direkt aus dem Gestein strömt. Oder man begibt sich in die Pools – solange man die Hotelanlage drumherum ignoriert, ist die Aussicht wunderschön, auch wenn das Wasser für meinen Geschmack etwas wärmer hätte sein dürfen.


Die vulkanische Aktivität prägt die gesamte Westküste, es gibt in jedem Land mindestens ein spannender Vulkan oder eine schöne Quelle. Wir geniessen dabei die Wanderungen auf Vulkane, die natürlichen Feuerwerke oder den Sprung ins warme Wasser. Wir sind gespannt, welche Überraschungen uns auf dem Weg weiter in den Norden noch erwarten.

