El Salvador: Zwischen Sicherheit und Ausnahmezustand

Die Grenze wirkt aufgeräumt und sauber. Die Beamten sind organisiert, nur wenige Leute stehen an, um von Honduras nach El Salvador einzureisen. Die Strassen sind in gutem Zustand, und die Fahrt geht zügig voran Richtung Suchitoto, einem malerischen Dörfchen im Osten des Landes. Auch hier ein ähnliches Bild: Es ist wenig los, alles wirkt ordentlich. Erst als wir an unserem Übernachtungsplatz am See ankommen, bricht die Idylle: Das gesamte Ufer ist mit Plastik zugemüllt.

Dieser erste Tag steht sinnbildlich für die Lage im kleinsten Land Zentralamerikas. Einerseits Ordnung und Sauberkeit, andererseits massive Probleme hinter den Kulissen – oder schauen diese bereits langsam hervor?

Eines vorweg: Unsicher haben wir uns nie gefühlt. In keinem einzigen Moment. Auch nicht, als wir am See am einzigen einigermassen sauberen Punkt übernachteten.

Ein Land im Wandel

Sonnenuntergang in Suchitoto

Die Salvadoreños sind stolz auf die Veränderung der letzten Jahre. Galt El Salvador 2017 noch als eines der gefährlichsten Länder der Welt, zählt es 2025 – neben Kanada und Uruguay – zu den sichersten in ganz Amerika. Wir fahren weiter in die Nähe der Hauptstadt San Salvador. Überall wird gearbeitet: Autobahnen werden ausgebaut, Strassen erneuert, Gebäude hochgezogen. Es läuft, es wird investiert. Das Land und vor allem sein Präsident geben sich modern und offen.

Sicherheit hat Priorität, und die Mordrate ist drastisch gesunken. Doch die Frage bleibt: Zu welchem Preis?

Die Popularität Bukeles

Die meisten Menschen, mit denen wir gesprochen haben, sind zufrieden mit der Regierungsleistung. Umfragen aus dem Jahr 2025 bestätigen, dass 85 % der Bevölkerung hinter Präsident Bukele stehen – ungeachtet der Tatsache, dass seine Wiederwahl eigentlich verfassungswidrig war. Das Volk hat ihn gewählt.

Seit 2022 lebt El Salvador im Ausnahmezustand. Was ursprünglich für 30 Tage angesetzt war, wurde schon 20 Mal verlängert und besteht bis heute. Auslöser war ein schwarzes Wochenende, an dem 88 Menschen ermordet wurden. Seither führt der Staat «ein Krieg gegen die Banden». Unter anderem wurde ein riesiges Hochsicherheitsgefängnis für «Terroristen» gebaut, das Platz für 40 000 Häftlinge bietet – eine Erweiterung auf die doppelte Kapazität ist bereits im Gespräch.

Schattenseiten und Menschenrechte

Auf dem Weg zum Santa Ana Vulkan.
Stehplatz im National Park Santa Ana.
Verbrennung des Zuckerrohrs nach der Ernte.

Doch wer hinter Gittern landet, ist nicht immer ein Verbrecher. Menschenrechtsaktivisten schlagen Alarm: Viele werden bei willkürlichen Razzien festgenommen und schmoren jahrelang in Untersuchungshaft. Sogar Kinder werden wegen angeblicher Bandenmitgliedschaft eingesperrt, oft ohne Beweise.

Zudem ist die Korruption weiterhin präsent. Die Menschen verdienen trotz der vergleichsweise hohen Preise wenig – das gilt besonders für Staatsangestellte. Und dennoch überwiegt bei vielen die Zufriedenheit. Sie geniessen es, sich ohne die ständige Angst vor Gewalt im Land bewegen zu können. Kritische Stimmen hörten wir selten, und wenn, dann eher zur wirtschaftlichen Lage. El Salvador ist teuer geworden, die Inflation ist auch dort angekommen.

Die Salvadoreños sind freundlich. Sie grüssen viel und immer wieder werden wir gefragt, wie es uns gefällt. Stolz werden wir darauf hingewiesen, dass es überall sicher sei und wir überall übernachten könnten. Für diese Region ist das tatsächlich aussergewöhnlich.

Ein Blick in die Zukunft

Wie es mit Bukele weitergeht? Keine Ahnung. Ob er seine Ansprüche irgendwann mässigt oder sich immer weiter zum Diktator entwickelt, wird die Zeit zeigen. Momentan scheinen die Salvadoreños zufrieden zu sein. Doch ob sie langfristig die Balance zwischen Repression, Sicherheit und Demokratie finden werden, bleibt offen.

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