Einmal alles: Strassenverhältnisse in Südamerika

Abwechslungsreich

So sind die Strassen in Südamerika. Sie sind sehr unterschiedlich und die Verhältnisse ändern sich oft je nach Jahreszeit. Doch im grossen und ganzen sind die Länder mit jedem Typ Fahrzeug befahrbar. Nur die Strecken muss man dementsprechend wählen.

Autobahnen und Mautstrassen

Strassenbau auf dem Weg nach Machu Picchu
Strassenbau auf dem Weg nach Machu Picchu

Die Hauptrouten sind geteert, es gibt meistens gute Schnellstrassen und auch Autobahnen. Vor allem zwischen den grossen Städten kommt man gut vorwärts. Meistens bezahlt man eine Maut, je nach Land ein paar wenige Cents wie in Bolivien, (obwohl ihre Tarife sehr intransparent waren) oder fix immer einen Dollar wie in Ecuador.

Die Autobahnen sind in guten Zustand und eigentlich immer mit Maut belastet. Nur die Bremsschwellen, die zur Geschwindigkeitsbegrenzung genutzt werden, sind eine grosse Gefahr. Die meisten einheimischen Autofahrer, auch solche mit Top-Geländewagen, bremsen kurz vorher sehr stark ab, da läuft man Gefahr aufzufahren – mehr Abstand halten lohnt sich. Und natürlich, darf man nicht vergessen, dass man auf der Autobahn alles antrifft: Spaziergänger, Mopedfahrer, Reiter, Kühe, Lamas, alles was vorstellbar ist.

Schlamm und Schlaglöcher

Die Landstrassen können gerade erst neugemacht sein oder viele Löcher haben. Die Bergstrassen sind auch immer eine Wundertüte – auch wenn sie eine Nationalstrasse sein sollen, heisst es noch lange nicht, dass man da überhaupt 50 km/h fahren kann.

Am Luft ablassen in Brasilien.

Die kleineren Strassen können Löcher haben und man muss immer auf alles gefasst sein. Doch das gilt für überall. Da bietet sich ein hochgelegtes Auto an. Es muss nicht mal zwingend 4×4 sein, aber einen zweiradantrieb ohne Höherlegung ist durchaus limitiert. Und vor allem wird jedes Schlagloch (davon gibt es viele) zur grösseren Zitterpartie.

Dann gibt es die nicht geteerten Strassen: manche sind genial, andere fast nicht befahrbar. Das hängt vor allem davon ab, wann sie das letzte Mal instandgehalten wurden und ob es gerade Regenzeit ist. Somit können sich die Verhältnisse innerhalb Monate, bzw. von einem Tag auf den anderen verändern.

Die Berge könne abrutschen, da gibt es stellen, die bekannt dafür sind. Dann bleibt von der ursprünglichen Strasse nicht viel übrig, ein Durchkommen kann man gleich vergessen. Die einheimischen Busfahrer wissen aber meist wie die Lage gerade aussieht. Nachfragen hilft, oder umdrehen, wenn’s nicht weiter geht.

Ist Allrad Pflicht?

Die meisten strecken sind ohne 4×4 befahrbar; wenn es sehr schlammig oder steil ist, sind wir trotzdem froh darüber, oft gibt es aber auch alternative Strecken, die einfacher sind.

Das eigene Fahrkönnen ist unserer Erfahrung nach fast wichtiger als ob man zwei- oder vierrad-Antrieb hat. Manche Fahrer kommen mit ihrem 2WD weiter als jeder Geländewagenfahrer. In einen guten Off-Road-Fahrkurs vor der Reise zu investieren lohnt sich, da lernt man auch gleich das Auto besser kennen.

Drei Mal ging’s nicht mehr weiter

Strassenbau in Ecuador.

Steckengeblieben sind wir erst drei Mal: einmal, weil es über Nacht so regnete, dass wir die schlammigen landwirtschaftlichen Strässchen nicht fahren konnten. Da mussten wir halt ein Tag warten bis es trocknete. Ein Ander mal, hat es auch geregnet, und wir sind ein Stück hochgefahren, wo eigentlich auch keine wirkliche Strasse war – aber wir wollten zu dieser Brücke. Dank Druck ablasen und Sandblech kamen wir wieder raus. Und ein andermal wurde die Strasse komplett weggeschwemmt; da mussten wir warten, bis wieder einen weg gebaut wurde. Wir waren aber zum Glück nie in Gefahr.

In Bolivien steckten wir eine Weile fest, da es Proteste mit Strassensperrungen gab, doch wir lernten viele Einheimische kennen. In Argentinien mussten wir mal 200 Kilometer zurück fahren, die Flussdurchquerung ging nicht – zu viel Wasser.

Also eigentlich ist DER Regen, der entscheidende Faktor. Dann heisst oft warten bis es aufhört und bis die Strasse etwas getrocknet ist oder eine andere Route suchen.

Strassenarbeiten und Uhrzeiten

Ein oft vergessenes Detail sind Strassenarbeiten. Im Unterschied zu Europa, sperren sie hier gerne die Strasse einfach ganz, ohne eine Umweg zu gewährleisten, und ohne dass man auf einer Bahn weiterhin den Verkehr lenken könnte. Dann ist entweder gleich der ganze Tag die Strasse gesperrt – so passiert in Ecuador von 9 bis 18.00 Uhr war kein durchkommen. Oder Stundenweise, wie in Peru als wir nach Machu Picchu fuhren. Dann arbeiten sie 2 Stunden und machen dann eine Stunde Pause, dass die Fahrzeige fahren können.

Ups, keine Strasse mehr.

Toll sind die vielen Schilder mit den Zeitangaben – wenn sie denn auch eingehalten werden würden. Es kann sein, dass es eine Stunde länger geht – oder zwei -; dass gar nicht mehr gearbeitet wird, dann heisst es «freie Fahrt». Zur Erinnerung: Zeitangaben sind sowieso immer nur zur Orientierung gemeint und nie verbindlich in Südamerika.

Humor und Flexibilität

Ich sitze, während ich den Text schreibe, mal wieder in einer Schlange. Sie müssen eine Leitung reparieren, dafür wurde gleich alles gestoppt. Den ganzen Tag von 9 bis 18 Uhr. Obwohl nur ein Bagger arbeitet. Dafür haben sie es beim Abzweiger schon angekündigt. Gleich zwei Frauen standen da mit einem handgeschriebenen Kartonschild – wie aus der Schulzeit. Sie meinten nur auf der Webseite des Ministeriums seien die Strassenarbeiten vor einer Woche angekündigt worden; aber niemand wäre auf die Idee gekommen ein Schild dahin zu stellen.

Wir lachen nur und wissen gleich, dass wir sowieso die 4 Stunden (bis 18 Uhr) oder eher die 6 Stunden, warten werden. Denn die Umfahrung geht ganze zwölf Stunden und 300 Kilometer länger.


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