Gebrüll und Akrobatik

Begegnungen mit den Affen Costa Ricas

«Grosse Affen» sehen wir ständig – wir machen uns ja selbst zwischendurch gerne mal zum Affen. Doch von denen, die sich tatsächlich noch durch die Baumwipfel schwingen, gibt es leider immer weniger.

Mittlerweile sind wir im Norden Zentralamerikas angekommen, und hier sind sie rar geworden. Seit wir die Grenze von Costa Rica hinter uns gelassen haben, haben wir leider keine Affen mehr gesehen. Nicht einmal mehr gehört. Grund genug, wehmütig auf unsere Zeit in Costa Rica zurückzublicken. Dort hatten wir das grosse Glück, alle vier heimischen Affenarten teilweise sogar mehrfach zu beobachten.

Kapuzineraffen: grimmig und intelligent

Totenkopfaffen: frech und flink

Totenkopfaffen (saimiri) sind frech, wahnsinnig schnell und relativ klein. Ihren etwas makaber klingenden Namen haben sie ihrer maskenartigen Gesichtszeichnung mit der schwarzen Schnauze zu verdanken.

Ihnen beim Spielen zuzuschauen, macht einfach nur Spass. Flink jagen sie Insekten, die ihre Hauptnahrung darstellen, verschmähen aber auch Früchte, Eier oder kleine Wirbeltiere nicht. So harmlos sie aussehen, sind sie also kleine Raubtiere! Leider sind sie aufgrund der massiven Waldrodungen in Mittelamerika stark gefährdet.

Kapuzineraffen streiten um Essen. ©M.Schumacher
Kapuzineraffe. ©M.Schumacher

Meist schauen sie ein wenig grimmig drein, doch die Neugier siegt fast immer: Kapuzineraffen (cebinae). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Zentralamerika bis nach Nordargentinien. Ihren Namen verdanken sie portugiesischen Entdeckern, die fanden, dass die Färbung der Affen den Kutten der Kapuzinermönche ähnelt.

Spannend ist, dass Kapuzineraffen im Verhältnis zu ihrer Körpergrösse ein recht grosses Gehirn besitzen. Wissenschaftler führen das auf ihre komplexen Techniken bei der Futtersuche zurück. Sie sind extrem anpassungsfähig und geschickte Werkzeugnutzer – wir konnten sie immer wieder beim Fressen beobachten, wobei sie sich sogar über Kokosnüsse hermachten.

Totenkopfaffe. ©M.Schumacher
Totenkopfaffe. ©M.Schumacher

Brüllaffen: laut und gemächlich

Man hört sie oft, bevor man sie sieht: Die lauten Brüllaffen (allouatta) dienen uns im Dschungel gerne mal als natürlicher Wecker um vier Uhr morgens. Nach den Spinnenaffen (brachyteles) sind sie die grössten Neuweltaffen.

Brüllaffe. ©M.Schumacher

Ein faszinierendes Detail: Sie sind die einzigen Primaten der Neuen Welt, die ein trichromatisches Farbsehen entwickelt haben (ähnlich wie wir Menschen). Ihr namensgebendes Brüllen, das über mehrere Kilometer hinweg hörbar ist, dient der Kommunikation zwischen den Gruppen. Sie gelten damit als die lautesten Landtiere der Welt! Trotz ihres gemütlichen Tempos sind sie geschickte Kletterer und nutzen ihren Greifschwanz oft als «fünfte Hand», die sogar ihr gesamtes Körpergewicht abfangen kann.

Klammeraffen: elegant und agil

Klammeraffen (ateles, im Englischen treffender „Spider Monkeys“ genannt) sind Michis absolute Favoriten. Im Deutschen darf man sie jedoch nicht mit den „Spinnenaffen“ verwechseln, die eine eigene Gattung in Brasilien bilden.

Klammerfaffe. ©M.Schumacher
Baby Klammerfaffe. ©M.Schumacher

Es ist faszinierend zu sehen, wie elegant, schnell und agil sie sich durch die Baumwipfel schwingen oder einfach lässig im Geäst hängen und neugierig beobachten, was unten am Boden passiert. Doch die Lage für diese wunderschönen Tiere ist ernst: Sie kommen fast nur in Primärwäldern vor. Durch die Abholzung und die Jagd sind laut IUCN mittlerweile alle Arten dieser Spezies gefährdet.

Affen gehören für mich definitiv zu den Tieren, denen ich stundenlang zuschauen könnte – egal, wie oft wir sie schon gesehen haben. Und ganz ehrlich: Sogar das laute Brüllen um 4 Uhr morgens hat für mich mittlerweile etwas Schönes und Beruhigendes. Es ist der Sound der Wildnis, den wir hoffentlich noch lange hören dürfen.


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