Einmal im Leben nach Galapagos

Der Traum vieler Menschen:

Galapagos. Das Paradies auf Erden – oder doch eine kleine Hölle, wie die ersten Seefahrer dachten? Die meist karge Landschaft machte den Menschen das Überleben schwer, doch für die Tiere war sie ein wahres Paradies. So entstand auf den Galapagos-Inseln eine enorme Vielfalt an endemischen Arten – also Arten, die es nur dort gibt.

Galapagos inspirierte Darwin zu seiner Evolutionstheorie. Die berühmten Finken mit ihren angepassten Schnäbeln trugen dazu ebenso bei wie die Meerechse, ein Leguan der sich von Meeralgen ernähren, und die berühmten Galapagos-Schildkröten, die 12 noch lebende Unterarten hat. Jede Schildkröte ist auf ihre Insel oder ihren Vulkan spezialisiert und unterscheidet sich sichtlich von den anderen.

Die Natur auf Galapagos ist überwältigend – nicht wegen der Artenvielfalt, sondern wegen der Anzahl der Tiere und ihrer fehlenden Scheu vor dem Menschen. Seelöwen liegen mitten auf Wegen oder Bänken, die sie für sich reserviert haben – sogar die Sachen der Touristen werden hinuntergeworfen. Es ist eine Zumutung, dass Touristen meinen, sie könnten diese benutzen – denkt sich der Seelöwe.

Ankommen in der Provinzhauptstadt

Galapagos Schildkröte aus Isla Isabela.
Meerechse am Strand.

Wir fliegen in die kleine Provinzhauptstadt San Cristóbal. Die Inseln wurden 1535 entdeckt und seit 1832 gehören sie zu Ecuador. Vorher waren sie ein Rückzugsgebiet für Piraten, denn der schlechte Zugang zu Trinkwasser machte die Inseln als Wohnort unattraktiv.

Wir waren lange auf dem Archipel, weil wir das Eintrittsgeld ausnutzen mussten. Galapagos ist teuer – oder auch nicht, wenn man lange genug dort ist. Der Eintritt in den Nationalpark wird direkt am Flughafen bezahlt und wurde 2024 auf 200 US-Dollar verdoppelt. Egal wie lange man bleibt, aber man muss einen Rückflug vorweisen.

Der kleine Flughafen ist ideal: Nach den strengen Kontrollen (alles, was rein oder raus geht, wird überprüft) sind wir in fünf Minuten zu Fuss im Dorf.

Das grosse Highlight sind die Cruises, kleinere Kreuzfahrtschiffe, mit denen man unbewohnte und abgelegene Inseln besuchen kann. Die kosten allerdings mehrere tausend Dollar für eine Woche. Das sprengt unser Budget, also mussten wir uns selber organisieren.

Wir mieten eine kleine Ferienwohnung. Da heisst es abschalten und geniessen. Das geht auch ganz gut. Alles ist zu Fuss erreichbar, die Promenade ist voller Seelöwen – die zwar etwas stinken, aber es lohnt sich, ihnen beim Spielen, Tauchen, Schlafen und Säugen zuzusehen.

Routine im Urlaub: schnorcheln und essen

Nachtlager der Seelöwen auf San Cristóbal.
Seelöwenkinder Spielplatz.

Wir gehen jeden Tag ins Wasser – auch wenn es regnet. Wir übernachten in einfachen AirBnBs, essen täglich auf dem Markt: Für 5 US-Dollar gibt es frischen Fisch, Reis, Gemüse, Suppe und Limonade. Selten haben wir so gut gegessen. Mit der Zeit haben wir auch unser Lieblingsrestaurant – natürlich. An dieses Essen denken wir oft zurück, so wie jetzt in Kolumbien, wo es etwas billiger ist, aber nicht sehr gut.

Man trifft mehr Touristen als wir gewohnt sind, aber es ist nicht überlaufen. Und wir merken schnell: Eine organisierte Tour kostet ein kleines Vermögen. Da kann man schnell viel Geld liegen lassen. Dabei gibt es eigentlich gar nicht so viel mehr zu sehen. Denn das Meer ist überall ein Aquarium: Seelöwen, Meeresschildkröten, Hummer, Thunfische, Leguane, Pinguine, Adlerrochen, Stachelrochen, Haie, Tintenfische, Seesterne und unzählige andere Fische. Alles vom Ufer aus mit Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet zu sehen. Unbeschreiblich.

Was ist mit Nachhaltigkeit?

Galapagos vereint aber auch viel Widersprüchliches. Einerseits präsentiert es sich als nachhaltig, aber es wird kaum in erneuerbare Energien investiert. Solaranlagen gibt es kaum, sie wären sehr teuer, dafür einen Dieselgenerator für Strom. Der Flughafen ist die Ausnahme, da sie eigens einen Solarpark haben.

Blick über Isla Isabela.

Die meisten Fahrzeuge fahren mit Benzin. Es gibt zwar erste Elektroautos aus China, aber die Taxifahrer behaupten, sie seien ineffizient. Nach einer Fahrt quer über die Insel (ganze 70 km hin und zurück) sei die Batterie halb leer, ein voller Tank halte 3 Tage. Der Grund: Es sei dort sehr bergig. Für uns macht ihre Rechnung keinen Sinn und wir verstehen auch bald warum.

Wir haben uns einen Ausflug gegönnt und sind mit dem Taxi den Vulkan hochgefahren und wieder runter zu einem Strand. Das Ganze hat 4 Stunden gedauert, keine 60 km. Dabei sind wir immer wieder ausgestiegen und haben etwas besucht. Der Fahrer blieb im Auto und der Motor lief 4 Stunden auf Hochtouren.

Natürlich ist die Batterie leer, wenn man stundenlang mit laufendem Motor im Auto sitzt, um die Klimaanlage zu betreiben.

Und dann die überteuerten Preise. Die Insel hat natürlich ein Monopol, das können sie mit Preisabsprachen ganz gut aufrechterhalten. Ein halbtägiger Ausflug kostet schnell 100 Dollar und der Service ist… nun ja, mittelmässig. Der wahre Luxus ist auf den Kreuzfahrtschiffen – und kostet nicht viel mehr, wenn man jeden Tag eine Tour machen würde.

Michi mit Seelöwe.
Seelöwen Bank – oder doch für die Meerechse?
Cora mit Seelöwen auf der Treppe.

Zeit ist Geld

Spannend sind auch die Verkaufsstrategien der Touranbieter. Sie preisen so viele Tiere an, aber wenn man einfach vom Strand aus schnorchelt, sieht man sie eigentlich auch. Man braucht nur Zeit – aber Zeit ist bekanntlich Geld.

Da wir Zeit hatten, haben wir uns auf drei Inseln ausgetobt. San Cristóbal ist voller Seelöwen, die mit einem im Wasser spielen; Santa Cruz ist die Touristenhauptstadt, da waren wir nur kurz und haben die Baby-Riffhaie vom Ufer aus beobachtet; und auf Isabela waren wir 10 Tage und haben so viele Tiere direkt am Hausstrand gesehen.

Schnorcheln mit Hammerhaien und Delphinen

Auf der Insel Isabela überlegen wir mit Elena noch einen Schnorchelausflug zu machen. Wir entscheiden uns für die Isla Tortuga, dort gibt es Hammerhaie. Die Tour selbst ist katastrophal organisiert. Sie ist sehr teuer, wir haben sie von 150 auf 100 US-Dollar pro Person heruntergehandelt, aber wir bekommen nicht einmal etwas zu essen oder zu trinken. Die Sicht ist nicht so toll, dafür können sie nichts; doch wir sehen dennoch die Hammerhaie unter uns durchschwimmen.

Dann die grosse Überraschung: Delphine. Sofort wieder ins Wasser. Ich habe Glück und sie schwimmen an mir vorbei. Michi hat weniger Glück. Denn anstatt ihm den Vortritt zu lassen, schubst ihn der Guide weg. Schliesslich will er gute Fotos für Social Media machen. Ein Ausflug reicht definitiv – Preis/Leistung stimmt einfach nicht

Stachelrochen im Hafen.
Galapagos Pinguine.
Baby-Riffhai auf Santa Cruz.

Ein Erlebnis gönnen wir uns trotzdem: Tauchen mit Hammerhaien

Der Tauchgang ist teuer, aber beeindruckend. Michi macht das schon zum zweiten Mal, es muss sich also lohnen. Der Tauchguide jagt allen vor dem Tauchgang noch etwas Angst ein: starke Strömung, Fehler = Lebensgefahr. So in etwa lässt es sich zusammenfassen.

Das Tauchen an sich war danach nicht so herausfordernd. Der Wellengang war zwar stark und hat einem immer wieder hin und her geschaukelt, aber es ging ganz gut. Wir sehen Adlerrochen, schwimmen mit 3 Meter grossen Riffhaien und Hammerhaien. Sie kommen uns nicht zu nahe, schauen eher neugierig.

Dann schwimmen wir durch einen Schwarm Makrelen. Es wird dunkel, die Fische bleiben dicht beieinander, ohne einen zu berühren, und bilden eine Art Blase. Dann teilt sich alles und ein Hai schwimmt hindurch. Dann wird es gleich wieder dunkel und das Spiel beginnt von vorne, nur diesmal ist es ein Seelöwe. Spektakulär und unvergesslich.

Galapagos war für uns Ferien vom Reisen. Wir haben die Tiere, das Meer und das leckere Essen genossen. Und wir waren froh, dass wir nicht jeden Tag Regen hatten und am Auto etwas reparieren mussten. Das haben wir alles auf die Zeit danach verschoben.


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